Zöliakie und Hashimoto: Was Betroffene wissen sollten · https://zoeliakieinfo.de/gesundheit/hashimoto-schilddruese/
Kurz erklärt
Zöliakie und Hashimoto-Thyreoiditis sind beide Autoimmunerkrankungen und treten häufiger gemeinsam auf als zufällig zu erwarten wäre. Wer eine der beiden Erkrankungen hat, sollte auf Symptome der anderen achten und sich ärztlich beraten lassen. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, um beide Diagnosen sicher zu stellen und die passende Behandlung zu finden.
Das Wichtigste in Kürze
- Zöliakie und Hashimoto sind Autoimmunerkrankungen, die häufiger gemeinsam auftreten.
- Die Symptome können sich überschneiden oder gegenseitig beeinflussen.
- Eine genaue ärztliche Diagnose ist wichtig, bevor eine glutenfreie Ernährung begonnen wird.
- Die Behandlung beider Erkrankungen erfolgt unabhängig voneinander.
- Bei bestehender Diagnose sollte regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.
Erklärung / Hintergrund
Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem auf das Klebereiweiß Gluten mit einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut reagiert. Hashimoto-Thyreoiditis ist ebenfalls eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen das eigene Schilddrüsengewebe richtet und häufig eine Unterfunktion der Schilddrüse verursacht.
Beide Erkrankungen entstehen durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Es ist bekannt, dass Menschen mit einer Autoimmunerkrankung ein erhöhtes Risiko haben, eine weitere zu entwickeln. Daher finden sich Zöliakie und Hashimoto bei manchen Betroffenen gemeinsam. Die genauen Ursachen für diese Häufung sind nicht vollständig geklärt, genetische und immunologische Faktoren spielen eine Rolle.
Typische Situation im Alltag
Viele Betroffene erfahren erst nach der Diagnose einer der beiden Erkrankungen, dass sie auch ein erhöhtes Risiko für die andere haben. Beispielsweise kann jemand mit Hashimoto Symptome wie anhaltende Müdigkeit, Verdauungsprobleme oder Nährstoffmangel bemerken, die auch auf eine Zöliakie hindeuten könnten. Umgekehrt kann bei bestehender Zöliakie eine Schilddrüsenerkrankung unentdeckt bleiben, wenn Symptome wie Antriebslosigkeit oder Gewichtszunahme als Folge der Zöliakie fehlgedeutet werden.
Im Alltag ist es deshalb wichtig, auf Veränderungen des Wohlbefindens zu achten und diese mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt zu besprechen. Eine regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenwerte und eine Überprüfung auf Zöliakie können sinnvoll sein, wenn Beschwerden bestehen.
Was sagt die medizinische Forschung?
Fachgesellschaften und Leitlinien bestätigen, dass Autoimmunerkrankungen wie Zöliakie und Hashimoto-Thyreoiditis häufiger gemeinsam auftreten. Das Risiko, eine weitere Autoimmunerkrankung zu entwickeln, ist bei bereits bestehender Zöliakie oder Hashimoto erhöht. Die medizinische Forschung empfiehlt deshalb, bei neu diagnostizierter Zöliakie auch auf andere Autoimmunerkrankungen zu achten und umgekehrt.
Die Behandlung der Zöliakie besteht ausschließlich in einer lebenslangen glutenfreien Ernährung. Die Hashimoto-Thyreoiditis wird in der Regel mit Schilddrüsenhormonen behandelt. Beide Erkrankungen müssen unabhängig voneinander behandelt und regelmäßig kontrolliert werden. Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine glutenfreie Ernährung die Hashimoto-Thyreoiditis heilen oder direkt beeinflussen kann, außer bei gesicherter Zöliakie.
Was bedeutet das praktisch?
Wer eine der beiden Diagnosen hat, sollte sich über mögliche Symptome der jeweils anderen Erkrankung informieren und diese bei der nächsten ärztlichen Kontrolle ansprechen. Eine vorsorgliche, eigenständige Umstellung auf glutenfreie Ernährung ohne gesicherte Zöliakie-Diagnose ist nicht ratsam, da dies die Diagnostik erschwert und keinen Nutzen bei Hashimoto ohne Zöliakie bringt.
Im Alltag ist es sinnvoll, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, mögliche Nährstoffmängel regelmäßig zu kontrollieren und die ärztlich empfohlene Therapie konsequent umzusetzen. Bei Unsicherheiten oder neuen Beschwerden sollte immer medizinischer Rat eingeholt werden.
Wichtig vor der Diagnostik
Wer den Verdacht auf Zöliakie hat, sollte vor Beginn einer glutenfreien Ernährung unbedingt eine ärztliche Abklärung durchführen lassen. Eine glutenfreie Kost vor der Diagnostik kann die Testergebnisse verfälschen und eine sichere Diagnose unmöglich machen. Gleiches gilt für Schilddrüsenerkrankungen: Die Diagnose und Therapie sollten immer ärztlich begleitet werden.
Wann ärztlich abklären?
- Bei Verdacht auf Zöliakie oder Hashimoto-Thyreoiditis, zum Beispiel bei anhaltenden Verdauungsproblemen, Müdigkeit, unerklärlichem Gewichtsverlust oder -zunahme, Haarausfall oder anderen Symptomen.
- Wenn bereits eine der beiden Erkrankungen besteht und neue Beschwerden auftreten.
- Bei familiärer Häufung von Autoimmunerkrankungen.
- Vor jeder Ernährungsumstellung oder Selbsttherapie.
Die sichere Diagnose und die richtige Behandlung können nur durch eine Ärztin oder einen Arzt erfolgen.
Häufige Fragen
Wie häufig treten Zöliakie und Hashimoto gemeinsam auf?
Beide Erkrankungen treten häufiger gemeinsam auf als zufällig zu erwarten wäre. Genaue Zahlen variieren, das Risiko ist aber nachweislich erhöht.
Kann eine glutenfreie Ernährung Hashimoto heilen?
Eine glutenfreie Ernährung ist nur bei gesicherter Zöliakie notwendig und wirksam. Für Hashimoto ohne Zöliakie gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg für einen Nutzen einer glutenfreien Ernährung.
Sollte ich mich regelmäßig auf die andere Erkrankung testen lassen?
Bei bestehenden Symptomen oder familiärer Vorbelastung kann eine ärztliche Kontrolle sinnvoll sein. Routinemäßige Tests ohne Beschwerden werden nicht generell empfohlen.
Können sich die Symptome von Zöliakie und Hashimoto ähneln?
Ja, einige Symptome wie Müdigkeit, Schwäche oder Nährstoffmangel können bei beiden Erkrankungen auftreten. Eine genaue Abklärung durch die Ärztin oder den Arzt ist wichtig.
Was muss ich bei der Ernährung beachten, wenn ich beide Erkrankungen habe?
Die glutenfreie Ernährung ist bei Zöliakie zwingend erforderlich. Die Hashimoto-Therapie erfolgt unabhängig davon, meist durch Hormonersatz. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Kontrollen sind in beiden Fällen wichtig.
Über diesen Beitrag
- Autor:in
- Redaktion
- Veröffentlicht
- 25. August 2026
- Quellenbasis
- S2k-Leitlinie Zöliakie (AWMF/DGVS)
- Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG)
- ESPGHAN-Leitlinie Zöliakie
- NIDDK (National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases)
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Mehr dazu in unseren redaktionellen Richtlinien und zu den Quellen.




